Der Ursprung der MPU reicht in die frühen fünfziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts zurück. In dieser Zeit kamen noch viele Soldaten des 2. Weltkriegs aus den Gefangenschaften der Siegemächte zurück. Viele von ihnen litten unter schweren Kriegsverletzungen, wie fehlende Gliedmaße, unter Störungen oder Ausfall von Organfunktionen und psychische Störungen. Gerade diese Personen, die mit den körperlichen oder geistigen Einschränkungen leben mussten, begehrten eine Fahrerlaubnis besonders. Um bei den Behörden zwischen geeigneten und ungeeigneten Bewerbern um eine Fahrerlaubnis differenzieren zu können, musste eine Regelung geschaffen werden. Zum Einen wurde vom Bundesministerium für Verkehr der Regelung „Krankheit und Kraftverkehr“ festgelegt, welche Defizite zur fehlenden Eignung zum Führen von Kraftfahrzeugen führen. Zum Anderen wurde die medizinisch-psychologische Begutachtung durch Ärzte und Psychologen eingeführt.

Mitte der sechziger- bis in die siebziger Jahre musste ebenfalls zur MPU wer drei Mal die theoretische Fahrerlaubnisprüfung nicht bestanden hatte und dennoch eine Fahrerlaubnis begehrte. Die MPU als „Idiotentest“ zu bezeichnen findet in dieser Regelung ihren Ursprung. Später in den siebziger Jahren, nachdem Verkehrsunfälle mit Toten auf ca. 20.000 pro Jahr angestiegen waren, musste zur MPU, wer unter dem Einfluss von Alkohol oder Drogen im Straßenverkehr auffällig war oder häufig andere Zuwiderhandlungen im Straßenverkehr begangen hatte. Grundsätzlich ist dies bis heute so geblieben.

Heute spielen gesundheitliche Defizite, sofern diese nicht auch die Psyche beinträchtigen, keine Rolle mehr. Vielmehr sind heute die technischen Möglichkeiten soweit ausgereift, dass lediglich ein Fachmediziner und ein amtlich anerkannter Kfz-Sachverständiger oder Prüfer (aaSoP) der Fahrerlaubnisbehörde mitteilen, unter welchen Voraussetzungen (technische Um- und Einbauten im Fahrzeug, welche Gebrechen kompensieren) eine Fahrerlaubnis erteilt werden kann.

In den neunziger Jahren führte die Bundesanstalt für Straßenwesen die „Begutachtungs-Leitlinien“ ein, in ihnen ist vermerkt, welche körperlichen und psychische Eigenschaften ein/e Kraftfahrzeugführer/in erfüllen müssen und welche fehlende Eigenschaften mit technischen Mitteln kompensiert werden können. Auch werden in den Begutachtungs-Leitlinien die Problematiken im Umgang mit Alkohol, Drogen, Arzneimitteln, Straftaten und Verstöße gegen verkehrsrechtliche Vorschriften behandelt.

Zur Jahrtausendwende wurde der Kommentar zu den Begutachtungs-Leitlinien eingeführt. Mit ihm wurden die Begutachtungs-Leitlinien nicht nur für die „Fachleute“ verständlicher und eindeutiger.

Im Jahre 2005 kam die nächste fachspezifische Literatur hinzu, die Begutachtungskriterien. Es ist unter anderem, die konsequente Anleitung für medizinisch-psychologische Untersuchung. Mit ihr arbeiten in erster Linie die Begutachtungsstellen für Fahreignung. Um Gutachten auf ihre Richtigkeit kontrollieren zu können, sollten es auch die zuständigen Behörden tun. Dies ist grundsätzlich der Fall. Aber auch seriöse Unternehmen, die auf dem Gebiet der Vorbereitung von Personen zur medizinisch-psychologischen Untersuchung tätig sind, sollten mit dieser Literatur betraut sein. Mit der 2. Auflage im Jahre 2009 wurden die Begutachtungskriterien erstmalig überarbeitet und mit der 3. Auflage aus dem Jahr 2013 werden die Begutachtungskriterien vollständig weiterentwickelt.

Hierzu aus dem Vorwort zur 3. Auflage Urteilsbildung in der Fahreignungsbegutachtung von Michael Odenwad, Staatssekretär im Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung:

„…Ziel ist es, Untersuchungen zur Eignung für das Führen von Kraftfahrzeugen nur nach anerkannten wissenschaftlichen Grundsätzen vorzunehmen. Für die ärztlichen und medizinisch-psychologischen Begutachtungen im Fahrerlaubnisrecht muss die im gleichen Maße gelten. Dementsprechend hoch ist auch der Anspruch, den die Verkehrspolitik an die Begutachtungskriterien stellt. In Verbindung mit der von der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) herausgegebenen „Begutachtungsleitlinien für Kraftfahrer“ tragen die Begutachtungs-kriterien dazu bei, die Verkehrssicherheit im Straßenverkehr mit Blick auf den „Faktor Mensch“ wirkungsvoll zu verbessern…“

Die Begutachtungskriterien machen die medizinisch-psychologische Untersuchung durchsichtiger und damit nachvollziehbarer.

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