Jeden dem eine MPU bevorsteht, sollten keine Fragen über die MPU unbeantwortet sein. Gehen wir der Reihe nach.

Woraus besteht die MPU?

Die MPU besteht grundsätzlich aus drei Teilen,

  • Teil 1 Die ärztliche Untersuchung,
  • Teil 2 Die Reaktions- und Wahrnehmungstests,
  • Teil 3 Das Explorationsgespräch mit dem Verkehrspsychologen.

Den drei Teilen ist ein vierter Teil vorangestellt.

Der vorangestellte Teil ist die Erfassung der gesundheitlichen und biographischen Daten des zu Untersuchenden (Probanden). Zu diesem Zweck ist vor der eigentlichen Untersuchung ein Fragebogen auszufüllen.

1. Die ärztliche Untersuchung

Die eigentliche Untersuchung beginnt mit der ärztlichen Untersuchung. Der beauftragte Arzt, ein Verkehrsmediziner der Begutachtungsstelle BfF untersucht den Probanden auf seinen Gesundheitszustand. Der Mediziner klärt die Frage, ob gesundheitliche Einschränkungen, die sich auch auf die Fahreignung auswirken können, vorliegen.

Sollte Alkohol- oder Drogenproblematik der Grund für die MPU sein, werden auch Urin- oder Haar- und Blutproben genommen und festgestellt, ob körperliche Abhängigkeit von Alkohol oder Drogen besteht.

2. Dem Reaktions- und Wahrnehmungstests

Die Reaktions- und Wahrnehmungstests werden an speziellen Computern, welche die Konzentration, die Reaktion und die Ausdauer der Probanden messen.

Für den vierminütigen Test sind meistens fünf farbige Bedienungselemente, zwei Tasten mit akustischen Signalen und zwei Pedale für jeweils einen Fuß zu bedienen. Die Tasten leuchten in den Farben Gelb, Blau und Grün. Zudem sind Hoch- und Tieftöne als Signale zu hören. Je nach Anzeige oder Klang muss der Teilnehmer neben den Bedienungs-elementen für die Hände auch das linke oder rechte Fußpedal drücken. Die Abfolgen werden stetig weiter beschleunigt. Fehler und Auslassungen werden registriert.

Erkennt der untersuchende Psychologe, dass ein fahreignungsausschließendes Ergebnis des Probanden auf eine unzureichende Bedienung des Testgerätes zurückzuführen ist, kann der Psychologe ersatzweise anstatt eines computergesteuerten Reaktions- und Wahrnehmungstestes eine Fahrprobe in Begleitung eines Fahrlehrers zulassen. Jedoch ist dies mit sehr viel höheren Kosten verbunden, denn die sogenannte Beobachtungsfahrt muss extra bezahlt werden.

3. Das Explorationsgespräch mit dem Verkehrspsychologen

Diesen Teil halten die meisten der Betroffenen für einen Test. Probanden, welche keine, sich auf die Fahreignung auswirkende gesundheitliche, Einschränkungen haben und deren Reaktion und Wahrnehmung der Norm entspricht, stehen vor dem Explorationsgespräch, der letzten Hürde eines medizinisch-psychologischen Gutachtens mit positiver Prognose.

Dazu sollte jeder Proband wissen, dass dem Verkehrspsychologen die, über den Probanden in der Fahrerlaubnisbehörde geführte, Akte vorliegt. Die Angaben des Probanden sollten schon mit dem Akten übereinstimmen, allein schon, um nicht unglaubwürdig eingeschätzt zu werden.

Darüber hinaus sollte auch jeder Proband wissen, dass der Verkehrspsychologe Fragen zu bestimmten Sachverhalten aus unterschiedlichen Perspektiven stellt. Hierbei stellt der Verkehrspsychologe nicht selten fest, dass der Proband nicht ganz wahrheitsgemäß antwortet. Dies führt dann oft zu einer negativen Prognose – und damit letztendlich zu einen negativen Begutachtungsergebnis.

Das Gespräch mit dem Verkehrspsychologen ist der aufwändigste Teil der MPU. Während dieses Gesprächs werden unter anderem die entscheidenden Fragen geklärt, ob der Proband zukünftig ein Fahrzeug unter dem Einfluss berauschender Mittel führen und/oder sich an die verkehrsrechtlichen Vorschriften halten wird.

Mit der anlassbezogen psychologischen Untersuchung arbeitet der Verkehrspsychologe die Fragestellung der Fahrerlaubnisbehörde, sprich Führerscheinstelle, ab.

Fiel der Proband mit Zuwiderhandlungen im Straßenverkehr auf, hat der Verkehrs-psychologe die Frage zu klären, ob eine Änderung der Einstellung stattgefunden hat. Der Psychologe hinterfragt dazu die Hintergründe und Ursachen der Fahrauffälligkeiten im Straßenverkehr um festzustellen

  • – ob Veränderungen im Verhalten, sowie Einstellungen und Lebensbedingungen eingetreten sind und
  • – ob Strategien zur Vermeidung zukünftiger Zuwiderhandlungen im Straßenverkehr zu erkennen sind, die mit großer Wahrscheinlichkeit auch angewandt werden.

Bei Drogen- und Alkoholkonsum durchleuchtet der Psychologe die Konsumvorgeschichte, um den Schweregrad des Alkohol- oder Drogenproblems (Missbrauch oder psychische Abhängigkeit) diagnostisch zuordnen zu können. Zudem prüft er, ob eine ausreichend stabile Verhaltensveränderung stattgefunden hat und ob zu erwarten ist, dass der Proband erneut unter dem Einfluss berauschender Mittel im Straßenverkehr auffällig wird.

Eventuelle Straftaten werden grundsätzlich durch den Verkehrspsychologen thematisiert. Dabei geht es besonders um solche, die im Zusammenhang mit dem Straßenverkehr stehen, oder hohes Aggressionspotential offenlegen.

Hierbei geht es ähnlich wie bei den Verkehrsdelikten, um die Hintergründe und Ursachen der Straftaten, um Veränderungen im Verhalten und den Einstellungen und Lebensbedingungen und um zukünftige Vermeidungsstrategien, nicht wieder straffällig zu werden.

Ohne eine fachlich fundierte Vorbereitung auf die MPU ist es äußerst schwierig, auf Anhieb ein medizinisch-psychologisches Gutachten mit positiver Prognose zu erhalten.

Was sollten Sie noch im Zusammenhang mit der MPU wissen?

Jede Person, die sich einer medizinisch-psychologischen Untersuchung stellen muss, darf sich dazu selbst bundesweit eine amtlich anerkannte BfF aussuchen. Alle BfF der Bundesrepublik Deutschland sind bei der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) registriert und gelistet.

Hier ist der entsprechende Link um die Liste zu finden, sie befindet sich unten auf der Homepage http://www.bast.de/cln_033/nn_42246/DE/Qualitaetsbewertung/Begutachtung/begutachtung__node.html?__nnn=true.

Begutachtungsstellen für Fahreignung sind zwar staatlich anerkannte Unternehmen, trotzdem sind es privatrechtliche Unternehmen. Dies bedeutet, dass man nur privatrechtlich gegen ein Gutachten vorgehen kann.

Sie sind der Auftraggeber für die medizinisch-psychologische Untersuchung – nicht die Behörde. Die Fahrerlaubnisbehörde bittet in Ihrem Auftrag die von Ihnen zu benennende BfF um eine medizinisch-psychologische Untersuchung. Die Fahrerlaubnisbehörde hat individuell, nach dem bei Ihnen vorliegendem Sachverhalt, der BfF die entsprechenden Fragen zu stellen. Das dann vorliegende medizinisch-psychologische Gutachten gilt für die Fahrerlaubnisbehörde als verbindliche Entscheidungshilfe für das laufende Fahrerlaubnisverfahren.

Weder die Fahrerlaubnisbehörde, noch ein Gericht hat die rechtliche und fachliche Möglichkeit, die Prognose eines medizinisch-psychologischen Gutachtens von positiv auf negativ umzudeuten. Gegebenenfalls ist das Gutachten von der BfF zur berichtigen oder ein neues Gutachten auszufertigen. In jedem Falle muss die BfF das vom alten Gutachten abweichend neue Ergebnis begründen.

Auf dem Verwaltungswege ist das Vorgehen gegen ein medizinisch-psychologisches Gutachten nur im Zusammenhang einer ergangenen Behördenentscheidung möglich, wenn die in Frage gestellte Entscheidung mit dem Ergebnis des Gutachtens begründet wird.

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